"Die Jugendlichen liegen uns am Herzen"

"SDO" Poster 12:

Foto von: Thomas Pfleiderer / Kempten im Allgäu

Idee: Dieter Breivogel


 

Sonderveranstaltung: "Alex" für Oberstufen ab 16 Jahre
Abstieg - Gosse - Ausstieg


zur Zeit nicht im Programm

 

 

"ALEX" war im Schuljahr 2006/2007und 2007/2008
zusammen mit "SDO" an verschiedenen Schulen
(Berufsschulen - Realschulen - Sonderberufsschulen)  

 

Hier lesen Sie den ersten Pressebericht zur Sonderveranstaltung:

 

Ex-Drogenkonsument spricht vor jungen Leuten
über knallharte Erfahrungen in der Drogen- und Dealerszene

 

Beim ersten Trip das Gehirn weggeklickt

"Ey Alter, ich hab  was Gutes": Dieses Angebot kann Alex Michael (Name geändert) nicht mehr locken. Aus eigener Erfahrung weiß er, wie zerstörerisch synthetische Drogen wirken, wie schwierig der Ausstieg aus der Szene ist. Seine Erlebnisse stellte er in Ahornberg in den Dienst einer besonderen Aufklärungsaktion.



VON BEATE FRANCK, Frankenpost: 29./30.07.2006

 

MÜNCHBERG: Wie ein Drogenkonsument wirkt Alex Michael nicht. Auch nicht wie ein Drogendealer Oberfrankens. Doch Alex war beides, allzu lange ist das noch nicht her. An diesem Tag steht der 35-jährige vor über 200 Schülern der Berufsfachschulen Ahornberg. Dieter Breivogel aus Kulmbach, Vorsitzender des Vereins Sucht- und Drogenprävention Oberfranken e.V. hat ihn mitgebracht, er kündigt den Gast an: "Alex war drogenabhängig, ganz unten und hat sich wieder raufgearbeitet - Sie können ihn alles fragen. "


Abgerutscht

Alex aber legt erst einmal vor. Mit sehr offenen Worten über sich selbst und seinen knallharten Absturz. "Bis ich 30 war, habe ich ein sehr ruhiges und erfolgreiches Leben geführt ", schildert er. "Dann ist mein Vater gestorben, als Geschäftsmann war ich plötzlich ruiniert. Dieser Existenzverlust war der Auslöser, in eine Szene abzurutschen, in die ich eigentlich gar nicht reingepasst habe".

Alex nimmt Crystal-Speed, ein Amphetamin, das hochgefährlich ist. Und nicht nur das: Er probiert auch Heroin, LSD und andere synthetische Drogen. Nach nur sechs Wochen ist sein Leben kein Leben mehr. "Ich habe ein halbes Gramm Crystal am Tag gebraucht ",Mein Gehirn war völlig weggeklickt". Um seinen Konsum zu finanzieren, wird Alex zum Drogenkurier, der als Dealer bis nach Tschechien fährt. sagt er. "Eine in einer Scheinwelt aus falschen Freunden, Illegalität und Psychosen als Folgen des Rauschgifts völlig normale Entwicklung.


Der Körper zerfiel

Mit seiner schonungslosen Offenheit packt der ehemalige Junkie die jungen Leute. Während sie vorher eher skeptisch Breivogels Warnungen und den Liedern seiner Band Spiegelbild zugehört haben, sind sie gebannt, wenn der Gast wieder zum Mikro greift. Denn auch Alex  Körper zerfiel unter dem Einfluss des Chemie-Cocktails. "Ich habe 30 Kilo abgenommen, war nur noch ein Strich in der Landschaft ", beschreibt er sein Ego als Drogenkonsument. 

"Das Crystal war Bromhaltig, davon bekam ich gelbe Haut, gelbe Zähne und gelbe Augen". Noch heute, vier Jahre nach seinem Ausstieg, hat Alex schwere Nieren- und Leberschäden. Die Flashbacks ist er erst seit kurzem los. Flashbacks sind unkontrollierbare sekundenlange psychedelische Schübe: "Auf einmal bist du wieder voll drauf." 

Entzug ohne Hilfe  

Voll drauf, so warnt Alex, sei man mit dem ersten Mal: "Wer einmal eine chemische Droge konsumiert hat, ist sofort süchtig. Der schafft es auch nicht mehr, ohne professionelle Hilfe davon wegzukommen."Der Franke selbst war über drei Jahre in der deutsch-tschechischen Drogenszene. Der Ausstieg gelang ihm, als er in der Justizvollzugsanstalt Hof landete. Sechs Monate saß Alex dort in Untersuchungshaft. "Das ist wie eine Abstellkammer: Tür auf, rein, Tür zu. " Die Folge: ein kalter Entzug, alleine, ohne ärztliche Hilfe. "Da muss jeder selbst mit sich klarkommen. " Die U-Haft brachte den Franken soweit von den Drogen runter, dass er hinterher klar genug war, um eine ambulante Therapie in einer Suchtklinik zu beginnen. So nennt Alex heute das Gefängnis einen Glücksgriff ", obwohl er dort Dinge erlebt hat, die er als einzige nicht erzählen mag. Diese Bilder bleiben ihm: "Die JVA vergess  ich bis heute nicht. "

Dass er durchgehalten hat mit seinem Versuch, clean zu werden, hat Alex auch seiner Frau zu verdanken, die er vor vier Jahren kennen lernte. "Sie hat mir die Stange gehalten. Ich habe von ihr Anerkennung bekommen, das war der wichtigste Punkt, um mir rauszuhelfen ", sagt er dankbar. Und deshalb gibt der Ex-Drogenkonsument seinen jugendlichen Zuhörern vor allem eines mit auf den Weg: "Behaltet einen guten Kontakt zu euren Eltern auch wenn's manchmal schwer fällt".

 

 
Foto:FP. 29./30.07.2006


Einen großen Applaus gibt es am Schluss für Alex, der das erste Mal in der Öffentlichkeit über seine Erfahrungen gesprochen hat. Das ist gut angekommen. "Diese Drogenaufklärung hat gezeigt, dass jemand Ahnung hat, weil er selbst den ganzen Müll durchgemacht hat ", urteilt die 17-jährige Johanna Drolc. "Was er gesagt hat, hat Hand und Fuß. Nicht so wie bei Leuten, die behaupten, Gott ist mir erschienen, darum hab ich aufgehört. Das hier ergibt für mich einen Sinn. " Johanna bittet Dieter Breivogel am Schluss sogar noch um eines seiner Aufklärungsplakate.

Auch Tony Eberlein, der während des Vortrags Alex durch provokante Fragen auf den Zahn gefühlt hat, ist voll des Lobes: "Jüngere Jugendliche ohne Kontakte zu Drogen werden nach seinen Erlebnissen bestimmt die Finger davon lassen ", meint der 24-jährige. "Leute, die schon Drogenerfahrung haben, werden sich damit auseinander setzen, denn was Alex sagt, ist nachvollziehbar."
Alex Ersatzdroge Alex ist heute, vier Jahre nach seinem Ausstieg, wieder ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er ist verheiratet und hat ein Kind. Zu Techno-Partys geht er nicht mehr, obwohl er ein eingefleischter Fan der Musik geblieben ist. Nicht etwa, um der dort lauernden Versuchung zu entgehen, wieder etwas zu nehmen. Nein: "Es geht mir einfach unheimlich auf die Nerven, wenn ich die kaputten Leute dort sehe. " Alex will einen klaren Kopf behalten, sein gutes Leben mit seiner Familie bewusst leben. Hat er eine Ersatzdroge gefunden? Auch diese Frage beantwortet er ganz offen: "Ja, ich bin Workaholic - ich arbeite Tag und Nacht."

Link: http//www.drugcom.de

Kontakt

"SDO"
Sucht- und Drogenprävention Oberfranken e.V.
1. Vorsitzender: Dieter Breivogel 
Postfach 1981 / 95311 Kulmbach
Bayern / Oberfranken
E-Mail: vorstand@sdo-oberfranken.de
Telefon: 0151 - 175 185 43


 

Seit Dezember 2009 ist "SDO" nach Prüfung durch die EU - bei der europäischen Antidrogenkampagne:


„Europäische Aktion Drogen“ mit allen
27 EU-Mitgliedsstaaten aufgenommen.

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